Manipulation durch Schuldgefühle – oder wie ihr es auch immer nennt…

Der Beitrag auf der Homepage (siehe Link) der Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf beschäftigt mich schon einige Tage. Er wurde auf fb von Rainer Müller geteilt. Danke dafür.

Dr. Wolf beschreibt etwas über und aus Beziehungen. Gleichzeitig habe ich einen Coachee, der das Thema Schuld und Manipulation durch Schuldgefühle in anderer Form im Arbeitsalltag erlebt.

Emotionale Erpressung durch Schuldgefühle

Vielleicht kennt ihr das? Schuld und Schuldfrage gehen ja nicht nur persönlich und privat, sondern auch in der Arbeitswelt.

Der/die Vorgesetzte reitet immer und immer wieder auf Themen rum, die längst erledigt sind. Sei es durch zeitlichen Fortgang – oder dadurch, dass etwas anderes, viel konstruktiveres gemacht wurde: es wurde nicht nach Schuld gesucht, sondern nach der Ursache eines Fehlers – und damit auf die Zukunft gerichtet nach einer Lösung. „Was ist das Problem? Wer hat das Problem?“

Was also soll das Rumreiten auf der Vergangenheit? Es ist geschehen und war genau in diesem Moment. Es ist nicht änderbar.

Ist die Frage „Wer ist Schuld“ nicht unberechtigt? Was will der/diejenige mit dieser Frage, dieser Zuweisung erreichen? Welches Ziel verfolgt er/sie? Ist die Frage wirklich zielführend oder geht es nur darum mit Schuldzuweisung Macht auszuüben? Wie geht man als betroffener Mensch damit um?

Löst die Schuldfrage das Problem?

Als ich zuletzt diese Situation in einem Unternehmen erlebt habe, habe ich eine für mich gangbare Lösung gefunden. Vor allem, weil ich wahrgenommen habe, was das mit den so Angesprochenen machen konnte. Egal wo oder wann sich ein Vorfall ereignete, der vermeintlich zu der Frage nach der Schuld führte, habe ich erklärt, dass ich Schuld bin. Andauernd. Egal, ob ich überhaupt da war oder nicht. Egal, ob es in dem Arbeitsbereich war oder wo ganz anders. „Ich bin schuld!“

Nachdem das zuerst Zufriedenheit ausgelöst hat – man hat ja einen Schuldigen gefunden – wurde es dann ein Lachen. „Du hast doch gar nichts damit zu tun.“ Stimmt, ich hatte nichts damit zu tun, fand aber die Schuldfrage unsinnig. Es ging ja nicht darum einen Weg zu finden, wie ein Fehler nicht mehr auftritt. Jedesmal, wenn es zu jemanden hieß „du bist schuld“, sagte ich: „Nein, du weißt doch, dass ich schuld bin!“

persönliche Schuldzuweisungen sind Machtinstrumente

Innerhalb recht kurzer Zeit wurden die MACHTvollen Schuldzuweisungen deutlich weniger und es ging um den Kern der Sache. Wunderbar, denn nun konnte man objektiv Fehler wahrnehmen und schauen, wie diese in Zukunft vermieden werden können. Es ging nicht mehr um die Schuldfrage, sondern darum, ob es eine Möglichkeit gibt den gemachten Fehler für alle vermeidbar zu machen. Die Lösung kann eine individuelle Arbeitshilfe, eine erneute Unterweisung oder beispielsweise auch eine Weiterbildung sein.

Personalentwicklung ist immer auch eine Frage, wie Menschen dazu befähigt werden ihre alltäglichen Arbeiten wie auch zukünftige Herausforderungen zu bewältigen. Mit Menschen, die man nicht manipuliert oder erpresst, geht das in einem angstfreien Klima besser. Dann stellt sich die Schuldfrage so überhaupt nicht, sondern dann gehen alle gemeinsam auf Fehlersuche und arbeiten daran Fehler zu beheben und nicht mehr auftreten zu lassen. Menschen werden motivierter.

Wie gehe ich als Betroffener mit Schuldzuweisung um? Wie gehe ich als Betroffener mit Menschen um, die ihre Rolle über die Inhalte stellen.

„Du bist das Schuld und das sage ich dir als dein Vorgesetzter“.

Mit meinem Coachee habe ich einen für ihn bisher erfolgreichen Weg erarbeitet.
Sollte er mal wieder mit der Frage Schuld und Direktion konfrontiert werden, dann geht er im Kopf erst einmal einen schnellen Schritt zur Seite.

Jeder persönliche Angriff, jede persönliche Schuldzuweisung – erst einmal auf den Kern der Sache bringen.

Jeder Mensch der sofort laut und persönlich Schuld zuweist oder angreift hat ein Problem. Das ist nicht das Problem des Angebrüllten. Leichter gesagt als wahrgenommen. Wir sind häufig so erzogen, dass Schuld persönlich ist und uns klein macht. Schuld wird subjektiv gleichgesetzt mit Versagen, nicht richtig sein oder nicht richtig funktionieren.

Schuld sein befreit denjenigen, der sie zuweist, vermeintlich von Verantwortung. Schuldzuweisung bedeutet, dass jemand anderes in meine persönliche Spielzone, schlimmstenfalls in die persönliche Schutzzone eindringt.

Das Zepter des Handelns übernehmen

Aktiv Schritt zurück und dem Schuldzuweisenden aufrecht gegenüber treten.

Kein reflexartiges Verteidigungsverhalten (egal, wie sehr uns unsere Instinkte und unser Leben genau so geprägt hat!), sondern Ruhe bewahren. Im Videocoaching war das komplizierter, als im Präsenzcoaching.

Praktisches Handeln meines Coachee heute ist es, dass er körperlich erst einmal einen kleinen Schritt zurückgeht und der eigene Schutzbereich gegnerfrei wird. Der nächste Schritt ist auch innerlich einen halben Schritt zurückzugehen und die persönlichen Botschaften und Kränkungen nicht zu hören. Das kostet je nach Gegenüber unfassbar viel Kraft und muss daher immer wieder trainiert und geübt werden.

„Ich habe verstanden, dass du/Sie folgende inhaltliche Kritik haben:…“ Damit schafft er es den Konflikt, den Angriff aus der persönlichen auf die inhaltliche Ebene zu holen. Darüber hinaus schafft er es in der Regel nicht nur sich selbst zu schützen, Unklarheiten in der Botschaft herauszuarbeiten und vor allem das Handeln in die Hand zu nehmen. Er selber ist auch Mitarbeitenden vorgesetzt und steuert so von direkten Konfrontationen weg auf die inhaltliche Ebene. Keinen Trotz mehr auf Angriffe und selber keine persönlichen Angriffe.

Meinem Coachee geht es besser. Der schuldzuweisende Vorgesetzte erlebt, dass er es nicht mehr schafft ihn in eine Verteidigungshaltung zu bringen. Deshalb unterlässt er auch die Machtspiele und Manipulationen mittlerweile. „Wir begegnen uns jetzt auf Augenhöhe, indem ich ihn auf Inhalte begrenzt habe. Unser persönliches Verhältnis ist ein anderes geworden.

Lasst euch nicht manipulieren, lasst euch nicht klein machen. Auch, wenn es mitunter wirklich schwer fällt: bleibt konstruktiv und sachlich. Geht aus dem Sandkasten der Eitelkeiten raus und werft selber keine Form

 

 

 

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