Wenn Zeit ist Glossen zu lesen

und man es dann auch tatsächlich macht.

Pünktlich zu Ostern, also, wenn man sich die Zeit für mehr Lesen aber auch Entspannung nimmt, erscheint eine Glosse unter der Überschrift

Coaching-Kultur „Menschen verwandeln sich in Schmalspur-Persönlichkeiten““

Der erste Reflex war gar nicht zu lesen. Quatsch. Ich habe mir ja ausdrücklich die Zeit eingeräumt zu lesen. Also – nicht ohne eine gewisse Anspannung – ran an den Text. Die Eindrücke sind zumindest spannend.

Aber geht es wirklich um Coaching und was das mit Menschen macht? Oder geht es eher um Training, also um antrainierte Verhaltensweisen? „One Company, one spirit.“ Was nicht passt, wird passend gemacht? Sogar von Manipulation schreibt die Autorin.

Wenn das ihr Erleben ist, dann bin froh, sehr froh nicht von dieser Kultur analog eines Grippe-Virus infiziert zu sein.

Dafür habe ich mich nicht zum Coach ausbilden lassen. Ziel meiner Ausbildung und Arbeit ist es die Menschen in einen Einklang zwischen sich selbst und ihren unterschiedlichen „Systemen“ zu bringen. Quatsch, nicht ich bringe, sondern der/die Coachee muss das schon selber machen. Ich frage, reflektiere, beobachte und verantworte den Prozess dorthin. Auch wenn es unwirtschaftlich ist, lehne ich Aufträge ab, die das Ziel haben Menschen durch Coaching zu einer bestimmten, von jemanden anderes vorgegebenen Handlungsweise zu bringen.

Menschen Verhaltensmuster anzutrainieren sehe ich nicht als meine Aufgabe als Coach.

Ihre Verhaltensmuster nach dem Sinn zu hinterfragen, ihnen ggf Sinn zu geben, dass begleite ich. Menschen zu einem respektvollen Umgang mit Ihrer Persönlichkeit und auch der der anderen zu bringen, das ist für mich sinnvoll.

Jeder Mensch ist nämlich zunächst einmal frei sich für etwas zu entscheiden – auch, wenn es natürlich Zwänge gibt. Aber er oder sie kann sich entscheiden, wie sie sich den Zwängen stellt. Wenn mein Arbeitgeber zB so ganz anders mit seinen eigenen Unternehmenszielen und den Wegen dorthin umgeht, als er das nach innen und außen erzählt, dann habe ich als betroffener Mensch Wahlmöglichkeiten. Diese persönlichen Wahlmöglichkeiten ans Tageslicht zu holen und den Menschen zu stärken seine persönlich beste umzusetzen, ist das Ziel meines Coachings.

Erst, wenn der persönliche Sinn und die persönlichen Ziele des Coachees klar sind, mache ich Vorschläge, wie dieses für den Menschen erreichbar ist.

Training fragt nicht nach Sinn, nicht nach den persönlichen Zielen, sondern vermittelt Handwerkszeug. Manchmal reicht das aus, manchmal ist Geld für Trainings rausgeschmissenes Geld. Insofern hat die Autorin recht, wenn ihr die immergleichen Handlungen und Haltungen begegnen und sie das nervt. Geht mir auch so.

Im Coaching geht es Authentizität. Lassen Sie sich nicht zu einer Schmalspurperson machen. Floskeln wie „ein Stück weit“ oder ich verstehe alles, gab es schon immer. Irgendwie vermittelt das ja auch Sicherheit. Sicherheit indem ich mich konform verhalte, spreche, lebe.

Lassen Sie sich von sich selbst anstecken.

Werden sie wieder mehr Persönlichkeit.

Manchmal bekommt man das alleine hin, manchmal hilft Coaching dabei.

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